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Warum ich mich noch nie als Freelancer gesehen habe, nie einer war und das auch gut so ist.

Berater für Webseiten. Online-Marketing-Berater. Webberater – klingt für mich eher nach Stricklisl. Web Consultant. Wie klingt das? Versteht das überhaupt jemand? Kurz WC – nichts gegen einen Toilettengang, ist nur menschlich, aber klingt irgendwie auch nicht unbedingt positiv als Geschäftsbezeichnung. Dort wo man seinen Scheiß ablädt. Hm, da sind wir aber garnicht so weit weg:) Warum fühlen sich viele Freiberufler, vor allem freiberufliche (Web)Designer, oft als Bitsteller? Warum war das bei mir von Anfang an nicht so und warum kann ich mich davor dann doch nicht ganz freisprechen? Denn das passiert mir auch.

Mein Gewerbe läuft seit 01.01.11 (das war am leichtesten zu merken;), nebenberuflich in den ersten Jahren. Und es war erstmal als Netlabel geplant und angelegt, d.h. im großen Ganzen irgendwas mit Musik und Internet. HIRNDRANG – das war und ist schon immer meine unternehmerische Spielwiese, wenn man so will. Mit dem Lauf der Zeit habe ich mit diesem Gewerbe begonnen Firmen in Sachen IT und Web, letztlich vor allem Webseiten, zu helfen. Konzentriert hauptberuflich in die momentane Richtung läuft das erst seit Oktober 2014 so. Und seitdem komme ich auch erst in den Genuss, mich öfters über meine Position und Richtung Gedanken zu machen. Nicht weil ich es muss, sondern weil ich es will. Insofern passt HIRNDRANG als Name schon gut, auch wenn es eher eine spaßige Abwandlung von Harndrang ist. Aber hier quasi das Denken-müssen, der Drang andauernd nachzudenken. Nun ja. Wo waren wir? Ach ja, Freelancer-Gewerbe. Ich hätte mich also als Freiberufler ummelden können, als Ingenieur könnte ich als Berater laufen, etwas mehr technischer. Aber ein Webdesigner gilt nicht als Freiberufler, ein „normaler“ Designer zwar schon. Rechtlicher Quatsch. Nachzulesen z.B. hier. Um ehrlich zu sein, ich hab darüber nicht intensiv nachgedacht, war irgendwie kein Thema und somit auch keine Anstrengungen unternommen.

Web Consultant, Webdesigner, Webentwickler, Berater – what?

Nun also Webdesigner, Webentwickler, Programmierer oder was auch immer. Meiner Meinung nach verstehen die Bedeutung auch nicht viel mehr Leute als Web Consultant. „Ich mach Webseiten“. Ah, das versteht man. Nur ich hab damit schon immer ein Problem. Ich will nicht „nur” eine Webseite abliefern. Das ist meiner Meinung nach auch falsch. Unternehmen brauchen keine Webseite! Unternehmen wollen verkaufen, müssen Geld verdienen, wollen wachsen. Das ist das Ziel. Unternehmen sollten also über Ihre Webseite, über den Kanal „Online“, Kunden gewinnen und Geld verdienen. Eine Lösung ist es, eine Webseite zu betreiben – Vertrieb 24/7. Nur, wenn diese einfach nur super aussieht, ist es nicht gesagt, dass diese auch verkauft. Das ist nicht ganz einfach an den Unternehmer und Unternehmerin so ran zu bringen, denn wirklich nachgedacht haben die meisten darüber nicht. Aber das war schon immer mein Anliegen.

Vielleicht weil ich kein gelernter Webdesigner bin. Und auch keiner sein will. Mir ging es, ob man das nun glaubt oder nicht, darum, den Leuten zu helfen. Ich war von Anfang an nicht dazu gezwungen, Geld zu verdienen. Im Übergang zum hauptberuflichen Selbstständigen hat sich das zwar geändert, doch ich habe mich selbständig gemacht mit etwas gespartem „Spielgeld“ und festen Kundenprojekten. Es war auch schon immer das Unternehmertun an sich, das mich interessiert hat.

Warum das „instinktiv“ richtig war, Fehler trotzdem nicht ausbleiben, es notwendig ist, sich immer im Klaren darüber zu sein und daran zu arbeiten… darum soll es nun gehen.

Mit welcher Methode ich mich dabei beschäftige, die ich auch jedem nur empfehlen kann da sie einfach anwendbar und trotzdem ausreichend umfassend ist, und wie meine Positionierung letztlich aussieht, möchte ich beschreiben.

Wie gesagt, es war schon immer das Unternehmertum, das mich interessiert. Das Führen eines Unternehmens, unternehmerisches Denken und Handeln. Handlungskompetenz. Freiheit. Ja, auch finanzielle Freiheit, was wiederum auch ein privates Ziel ist – als Selbstständiger vielleicht noch ein wenig mehr. Das heißt, wie verdiene ich Geld mit dem was ich tu. Und damit meine ich nicht die 5-Dollar-für-jeden-Scheiß und Ich-mache-alles-Tour, wozu sich leider viele gezwungen fühlen (ich sage bewusst nicht gezwungen sind), sondern wie verdiene ich „richtig” Geld, um mich und meine Familie zu ernähren, mir ein Auto und Urlaub und Altersvorsorge leisten zu können. Und wie rechtfertige ich dieses Geld, vor mir und meinen Kunden. Hat das, was ich mache auch den entsprechenden Wert?

Ich glaube, sagen zu können, dass ich nicht auf den Kopf gefallen bin und meine Laufbahn  aus der Unternehmens- und Wirtschaftsrichtung kommt, nicht aus der klassischen, weniger unternehmerisch denkenden Designerecke (wem auch immer ich damit auf die Füße trete:). Das heißt, meine Strategie und alles drumrum zu erarbeiten ist schon eine gewisse Leidenschaft von mir.

Wo sind also die Vorbilder hier, wo kann man nachlesen? Bezeichnenderweise gibt es da gar nicht viele, die wirklich was zu sagen haben. Vielleicht deswegen, weil die meisten diesen Job als Freelancer nur nebenher machen und/oder nach kurzer Zeit wieder aufgeben. Ernst zu nehmende Quellen sind mich vor allem Brennan Dunn, Amy Hoy , Blair Enns und das Buch von Liam Viech: Stop thinking like a freelancer. Ich möchte mich hier vor allem an Letzterem orientieren, wobei alle im Kern das Gleiche aussagen: Positionier’ dich nicht als Freelancer!

Obwohl ich mich wie gesagt nicht so sehe und positioniere, ist meine Art des Geschäfts doch hauptsächlich gleich. Im ersten Schritt ging es mir darum eine gewisse Anzahl an Kunden zu generieren, dadurch Referenzen zu haben. Immer aber zu einem anständigen Preis (zu Preisdiskussionen dann an anderer Stelle:). Es geht mir wie so vielen, wenn ich sie frage: “Mir gehts gut, alles okay, alles beim Alten.“ Aber doch nicht zufrieden. Warum? Zu viel Arbeit oder  einfaches Nicht-erkennen der Situation? Bei mir ist es eher ersteres in Kombination mit zu wenig Zeit nehmen für die Umsetzung der eigentlich wichtigen Strategie. Hab ich die Strategie überhaupt? Warum mache ich das? Was ist das Ziel? Welchen Weg will ich gehen? Was bedeutet Erfolg? Kann ich das messen?

Ans Eingemachte: Wo fang ich an?

Ich erwähnte es schon, ich habe Spaß an Technologie und Fortschritt. Ich mag (Weiter)Entwicklung. Damit habe ich das, was meiner Meinung nach extrem wichtig im Geschäft ist: bereit sein für Entwicklung. Weiterentwicklung. Nicht aufhören neugierig und wissbegierig zu sein. Testen. Das allein reicht natürlich nicht. Es braucht einen Plan mit konkreten Zielen und Messgrößen. Einen Plan auf den ich mich in schweren Situation berufen kann, der mich wieder ausrichtet, der mir zeigt was als Nächstes zu tun ist.

Jetzt bin ich zwar MBA und habe gelernt wie man einen Businessplan liest und schreibt, aber ich bin kein Fan von seitenlangen Papierschlachten, die im Moment des Lesen quasi schon überholt sind. Zeit und Lust habe ich dazu auch keine. Was einfaches muss her. Ein schöne Methode ist ein in engl: Letter of intent – ein Positionspapier, eine geschäftliche Absichtserklärung an mich selbst. „Ich bin bereit für den nächsten Schritt“ ist zwar schön und gut, aber was heißt das? Ist der nächste Schritt mehr Geld? Wenn ja, wieviel mehr? Mehr Kunden? Welche Kunden und wieviele? Weniger arbeiten? Was tun mit der Zeit? Mehr zeit für was?

An der Stelle habe ich den “Letter of intent” von Liam Viech mal für mich angepasst und ins Deutsche übersetzt. Daran werde ich im Folgenden arbeiten. Wer Interesse an dieser Vorlage hat, hier der Download. Gerne benutzen!

An der Stelle habe ich den Letter of intent von Liam Viech mal für mich angepasst in deutsch übersetzt. Wer Interesse daran hat, hier der Download:

Positionspapier herunterladen

Nun zu mir, und das fällt mir nicht leicht. Ich kenne das zwar, aber es ist immer wieder eine Überwindung, solche Dinge öffentlich zu machen. Meine Kunden haben genau diese „Angst“. Was, wenn das alle wissen? Kann man mich dann einfach manipulieren usw.

Nein, ich glaube, dass Diskussion wichtig ist, Feedback. Fläche bieten. Offenheit. Wissen, was jemand vor hat. Das man alles geben sollte, was man hat. Und: ich will Dinge testen und mich aus dem Fenster lehnen.

Los geht’s:

1. Schritt: Was ist mein Ziel? Was bedeutet es für mein Leben, was verändert sich, wenn ich mein spezifisches Ziel (Zeit und/oder Geld etc) erreiche? Warum will ich das?

  • Ich möchte mit Webdesign/Inbound Marketing/Beratung zu diesen Themen im Jahr 2017 100.000€ verdienen. Das sind 8.333€ pro Monat (Das ist eine Steigerung von 100% gegenüber den Zielen von 2016, die nebenbei gesagt, auch erst noch erreicht werden müssen). Das erlaubt mir mehr Geld zu sparen und zu investieren.
  • Ich möchte mir damit 2017 ein Auto, einen Bildschirm, einen Fernseher, eine Haustür, einen Schreibtischstuhl, die Heizung im Büro und zwei Reisen/Urlaube leisten. (what???)
  • Ich möchte weniger, dafür konzentriertere Zeit in mein Business, vor allem in den Vertrieb, investieren und mehr automatisieren, so dass ich z.B. mehr Zeit für Inhalte, für „Hobbyprojekte“, Produkte und Ideen, habe. Ich möchte mich weiter um meinen Körper und Geist kümmern und dies weiter intensivieren.
  • Ich möchte mir meine Kunden aussuchen. Ich möchte lieber wenige größere Kunden als viele kleine. Ich werde keine Privatkunden mehr bedienen.
  • Ich möchte meinen Kunden helfen über den Online-Weg erfolgreich(er) zu sein, den SMARTen weg (spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert) Ich möchte mein Wissen weitergeben.

2.Schritt: Was bringt mich konkret da hin? Was muss sich konkret in Zahlen messbar ändern,um das möglich zu machen? Warum bin ich da noch nicht?

  • Die Zahl der Kunden passt, aber die Projekte sind zu klein für das angestrebte Ziel.
  • Meine Reputation und meine „Angriffsfläche“ ist zu gering.
  • Meine Positionierung muss eindeutiger und dadurch gestärkt werden.
Verdopplung des Umsatzes von 50 auf 100K durch Erreichung der spezifischen Ziele:
  1. Aufmerksamkeit online erhöhen: Steigerung der Webseitenbesuche um 30%
  2. Conversionsrate Besucher zu Leads erhöhen: Steigerung 2-4% Conversionrate, dh auf 4-8 Leads pro Monat

3.Schritt: Wo kann und möchte ich der Experte sein? In welcher Branche/Nische?

An der Stelle habe ich mir meine bisherigen Kunden angeschaut und analysiert. Mit welchen hat es Spaß gemacht, mit welchen Kunden nicht? Aus welche Branche? Welche Branche hat größeres Potenzial? Wer könnte meinen Weg mit gehen? In welchem Bereich möchte ich arbeiten?

Ich arbeitete in der Vergangenheit am erfolgreichsten mit Unternehmen aus der Industrie, produzierendes Gewerbe, Mittelständler mit kurzen Wegen. Ich möchte aber auch weiter mit kleineren Unternehmen aus Dienstleistung und Handwerk arbeiten und mit ihnen von quasi Null anfangen und gemeinsam wachsen. Ich bin ein Fan von Erfolgsgeschichten ;)

4.Schritt: Wer ist und was denkt meine ideale Zielperson? Was braucht sie und warum? Was versuchen sie sonst zu erreichen und warum? Was erwartet die/derjenige von mir und was denkt sie/er über mich? (Stichwort: Buyer Persona)

Meine Zielperson ist zwischen 40 und 60, meist männlich, Geschäftsführer oder Entscheider in einem mittelgroßen Maschinenbau-Unternehmen. Das Geschäft läuft, er verdient gut, fährt einen Mercedes, trinkt gerne Rotwein und geht gerne Essen. Er ist nicht der sportlichste, weil er zu wenig Zeit dafür hat, würde aber gerne mehr tun. Er hat zwei Kinder im Schulalter. Er möchte mit dem Unternehmen besser werden und ist offen für kompetente Ansprechpartner, aber eher genervt von hippen Anfragen. Die Website ist zwar da und nicht unwichtig aber eher ein notwendiges Übel. Man muss eine haben, damit man auch im Netz ist und gut aussieht. Der Aufwand soll dabei gering sein, denn für so „Marketingzeug” hat man eigentlich keinen Bedarf und Zeit. Dennoch würde er gerne mehr (internationale) Anfragen von Interessenten  generieren und das Geschäft so gut wie möglich darstellen. Er hat in der Vergangenheit eher negative Erfahrungen mit Agenturen und deren Webseiten-Typen gemacht. Diese habe Arbeit abgeliefert und waren dann eher desinteressiert weil das Geschäft nicht so hip ist oder der Wert deren Arbeit lässt sch nicht nachvollziehen/messen.

5 Was macht mich anders und warum? Worin unterscheide ich mich von den Anderen?

Mein Ziel ist es nicht einfach nur eine schöne Website abzuliefern. Ich will meinen Kunden helfen mehr Wert über ihren Online-Kanal, vor allem die Website, zu generieren. Ich will ihnen zu mehr Interessenten und Kunden, damit letztlich zu mehr Umsatz verhelfen, denn nur wenn sie wachsen, kann ich wachsen. Ich will dass meine Arbeit als Investment und nicht als Ausgabe gesehen wird. Ich will den Wert meiner Arbeit nachweisen, messbar und nachvollziehbar machen. Da ich kein Designer bin, sondern Wirtschaftsingenieur und MBA, habe ich die idealen Voraussetzungen, um mich in das Geschäft hinein zu denken, mich auf der Businessebene unterhalten und Business-Ziele festzulegen. Ich den Leuten in verständlichen Worten und nicht in Fachchinesisch erklären, wie die Dinge heutzutage im Web funktionieren und was es bedeutet.

Die letzten drei Oberpunkte fasst Brennan Dunn in seinem Ansatz in einer Aussage zusammen. Diesen Ansatz finde ich super und passend und ich habe ihn mal ins Deutsche übersetzt.

Reinform:
Ich bin ein ______, der __________hilft, _______________ . Im Unterschied zum Wettbewerb ____________ .
Konkret: Ich bin ein Web-Consultant, der Industrieunternehmen (im Idealfall im Umkreis von 40km um Schwäbisch Gmünd) hilft, Kunden über ihre Webseite zu gewinnen. Anders als meine Mitbewerber verstehe ich als Wirtschaftsingenieur und MBA die Businessseite und fokussiere mich auf dieses ultimative Ziel, statt einfach nur schöne Webseiten zu erstellen.
Nachdem meine Position damit klar ist, will ich natürlich sicher stellen, dass ich meinen Arsch auch hoch kriege.

6.Schritt: Was will ich dafür tun? Was bin ich bereit zu geben? Konkret pro Woche und Tag (ggf. über einen Zeitraum).

Jeden Dienstag morgen kümmere ich mich bereits um meine Projekte. Das werde ich auf den kompletten Tag erweitern, mind. aber 3 Stunden (Artikel planen, Website updaten, Podcast aufnehmen und bearbeiten). Ebenso werde ich den Freitags nach BNI und den damit verbundenen Todos 2 Stunden meinem Business widmen. Ich werde versuchen an 3 Tagen der Woche 1 Stunde morgens zu schreiben (ich hab das als Todo schon länger auf dem Schirm, mache es aber nicht konsequent).

7.Schritt: Wie sorge ich dafür, dass ich das auch einhalte? Welche Werte werde ich messen und wie oft werde ich mir diese Ergebnisse vor Augen führen?

Jeden Sonntag Abend wenn ich meine Woche plane were ich mir den Webseiten-Traffic ankucken. Ich plane extra eine wöchentliche Erinnerung in meinem Kalender. Mit HubSpot steht mir ab sofort ein Tool zur Verfügung, mit dem ich meine Conversion beobachten werde. (weitere Services und Kundenvorteile, die ich dadurch bieten kann, folgen)
Bäm. Längster Post so far. Puh. Mein Geschäft offengelegt. Position bezogen. Ausdruck erstellen und an den Bildschirm heften. Und dann geht’s in die nächste Phase. Wer Interesse hat, meinen Weg weiter zu beobachten, ab auf die Mailing-Liste. Wer vielleicht einen ähnlichen Prozess durchmacht/durchmachen will – ich biete gerne meine Hilfe an und freue mich auf konstruktiven Austausch.